Hirtenbrief zur geplanten Schließung des Arsenalbetriebs Kiel

Anlässlich der Personalversammlung des Arsenalbetriebs Kiel in der ehemaligen Garnisonskirche wurde der nachfolgende Hirtenbrief vom IGBI-Bereichsvorsitzenden Jan-Hendrik Kroll am 02.12.2011 vorgetragen.

Sehr geehrte Schäfer und Hirten, liebe Schäfchen… oh Entschuldigung falscher Anfang, muss an der Atmosphäre liegen.

Sehr geehrte Präsidenten und Direktoren, liebe Mitarbeiter, werte Gäste,

einige werden sich vielleicht noch daran erinnern. Vor einigen Jahren musste ich den Weihnachtsmann bemühen, um einen Arsenaldirektor auf den rechten Pfad zu führen. Jetzt in höchster Not greife ich, passend zum Hause in dem wir uns heute befinden, noch eine Stufe höher. Wir alle dienen schließlich dem Herrn, zumindest unserem Dienstherrn.

Damit das auch so bleibt, appelliere ich an Ihr Gewissen Herr Stein und Herr Otten. Sagen Sie nicht zu allem was vom Ministerium kommt „Ja und Amen“! Auch wenn Sie, Herr Otten von dort als Liquidator geschickt wurden, sind Sie doch Arsenäler und jetzt als Direktor des MArs für das Arsenal als Ganzes und seine Beschäftigten verantwortlich. Argumentieren Sie aktiv gegen undurchdachte Vorgaben aus Bonn und Berlin und lassen Sie die Herren Wardecki, Selhausen, de Maizière und seine Staatssekretäre wissen, dass wir durchaus erkannt haben, welche Interessengruppen und Firmenkonsortien hier erfolgreiche Lobbyarbeit geleistet haben.

Nur wenn sich die Marine komplett aus dem Ostseeraum zurückzieht, wäre die Schließung des Arsenalbetriebes in Kiel nachvollziehbar. Was solche Pläne für Rostock, Eckernförde und Kiel für Folgen hätten, kann sich jeder vorstellen. Sollten so die Zielvorstellungen aussehen, sind aber eine ganze Reihe von jetzt getroffenen Standortentscheidungen vollkommen unsinnig. In allen anderen Fällen wird es für die im Ostseeraum stationierten Marineeinheiten nicht nur erhebliche finanzielle Nachteile bei der Erhaltung der Einsatzbereitschaft geben.

Sollte der Arsenalbetrieb Kiel tatsächlich geschlossen werden, geht ein unglaubliches Potential an Fachwissen und Erfahrung unwiederbringlich verloren. Die Folgen werden gravierend sein und einige davon hat noch niemand wirklich bedacht. Viele Investitionen der letzten Jahre in Ausstattung, Ausbildung und Infrastruktur wären verschwendet.

Ich fordere alle Arsenalangehörigen auf, sich mit aller Kraft, auf allen Ebenen gegen diesen Schildbürgerstreich zu wehren und damit schweren Schaden von der Bundesrepublik Deutschland abzuwenden.

Ansonsten, und das sage sogar ich als eingefleischter Atheist, hilft nur noch beten.

Amen